Wachstumshormon
Je älter ein Mensch wird, desto weniger Wachstumshormon produziert er. Fehlt das Hormon aufgrund einer Erkrankung, so „altert" auch der Körper vorzeitig. Der Stoffwechsel, die Fettverteilung sowie die Muskelmasse gleichen dann denen eines deutlich älteren Menschen.
Wissenschaftliche Untersuchungen an älteren Männern, denen das Hormon Anfang der 90er Jahre über einen Zeitraum von sechs Monaten zugeführt wurde, führten tatsächlich zu erstaunlichen Ergebnissen. Seit dieser Zeit wird das Wachstumshormon - wenig seriös - auch als Jungbrunnenhormon bezeichnet.
Wachstumshormon wird schon seit Jahrzehnten zur Behandlung kleinwüchsiger Kinder sehr erfolgreich eingesetzt. In der heutigen gentechnisch hergestellten Form hat es sich da bei als ein sehr sicheres und wirksames Arzneimittel erwiesen.
Auch erwachsene Patienten, die aufgrund einer Erkrankung, wie z.B. einem Hirntumor, einen Wachstumshormonmangel haben, profitieren heute von der Hormonersatztherapie.
Die Symptome, die bei diesen Patienten auftreten, ähneln in auffälliger Weise denen von gesunden älteren Menschen, was die Wissenschaftler zu weiterer Forschung antrieb.
Man fand z.B.
• eine veränderte Körperzusammensetzung mit vermehrtem
Bauchfett und wenig Taille
• einen gestörten Wasserhaushalt mit trockener Haut
• vermehrt „schlechtes" Cholesterin (LDL)
• eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit
• Ermüdungszustände und Abgeschlagenheit
• eine verminderte Lebensqualität
Durch Untersuchungen im Blut konnte festgestellt werden, dass bei älteren Menschen tatsächlich häufig ein niedriger Wachstumshormonspiegel Ursache dieser Beschwerden sein könnte.
Mit den Jahren produziert der Körper immer weniger Wachstumshormon; mit 60 Jahren nur noch etwa die Hälfte bis ein Drittel dessen, was mit 20 Jahren normal ist.
Zunächst sollte — wie bei den anderen Hormonen auch — erst einmal festgestellt werden, ob ein niedriger Wachstumshormonspiegel vorliegt. Dazu ist nur eine Blutabnahme nötig. Sind die Beschwerden sehr ausgeprägt und der Mangel eine mögliche Ursache, kann ein Behandlungsversuch unternommen werden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass keine schweren Erkrankungen, wie z.B. Krebs, vorliegen.
In Amerika wurde schon vor einigen Jahren der Effekt einer Wachstumshormontherapie und einer Therapie mit Sexualhormonen getestet. Gesunde ältere Frauen und Männer bekamen entweder Wachstumshormon und Testosteron bzw. Östrogen/Gestagen oder verschiedene Kombinationen mit unwirksamen Tabletten, sogenannten Placebos. Dabei wurde die Wirkung auf die Muskelmasse, die Körperkraft, den Eiweißaufbau, die Abnahme des Körperfetts v.a. am Bauch, die Herzfunktion und verschiedene Laborwerte untersucht.
